Grossregion SaarLorLux
Website Thomas Abel

Traben-Trarbach

Traben-Trarbach © Steffen Schmitz, Wikimedia Commons

 

Das Brückentor, die elektrische Straßenbeleuchtung und der Jugendstil

Traben-Trarbach ist eine kleine Stadt an der Mittelmosel, ca. 40 km nordöstlich von Trier und etwa 60 km südwestlich von Koblenz. Sie liegt im Landkreis Bernkastel-Wittlich in Rheinland-Pfalz.

Der Stadtteil Traben liegt links der Mosel am Fuße der ehemaligen Festung Mont Royal und Trarbach rechts des Flusses auf der Hunsrück-Seite.

Brückentor, Foto: Henk Monsters

Auf dieser Seite befindet sich im Stadtteil Bad Wildstein eine Quelle, deren Wasser mit einer Temperatur von 33° aus den Tiefen des Schiefergesteins zutage tritt und von einem Thermalbad genutzt wird.

Schon 830 wurde der Aacher Hof urkundlich erwähnt. Kaiser Ludwig der Fromme (814–840), ein Sohn Karls des Großen, schenkte Traben mit seinen Gerechtsamen und Anhängseln Traben, Litzig, Rißbach, Irmenach und Beuren dem Münster zu Aachen (Aachener Marienstift), in dem die deutschen Könige gekrönt wurden.

1815 wurde das Gebiet um Trarbach nach Preußen eingegliedert und wurde Sitz einer Bürgermeisterei.

Altes Postamt und Lorettahaus

Bei dem Großbrand vom 21. Juli 1857 wurde fast ganz Trarbach ein Opfer der Flammen. Von den 1.700 Einwohnern wurden 1.400 obdachlos. Doch dieser Rückschlag sollte die Entwicklung der beiden Orte nicht wesentlich beeinflussen. Man begann mit dem Wiederaufbau und investierte in die Zukunft.

Der Weinhandel hatte zu dieser Zeit viel Geld in die öffentlichen Kassen in Traben und Trarbach gespült. Dieses Geld wollte man in die Zukunft investieren.

Brückentor, Joachim Stolz, CC BY-SA 3.0

Bereits im März des Jahres 1888 versammelten sich Bürger und Kaufleute der damals noch getrennten Stadtteile Traben und Trarbach. Man beriet die Einführung einer elektrischen Straßenbeleuchtung. Nachdem erfolgreiche Versuche mit Elektro-Glühlampen in der Trabener Kellerei J. W. Huesgen durchgeführt wurden, gab es ein großes Interesse der Weinhändler und Bürger an der neuen »Zukunftsbeleuchtung« und man trieb die Planungen voran. 

Straßenbeleuchtung Ende des 19. Jhdt.

Zur Verwirklichung der geplanten Elektrifizierung der Stadt wurde am 13. Mai 1889 eine Aktien-Gesellschaft mit der Bezeichnung »Traben-Trarbacher Beleuchtungs-AG« gegründet. Diese legte den Grundstein zum Bau eines Elektrizitätswerkes in der Trabener Bahnstraße. Die Planung hierzu wurde von dem Trierer Architekten Eberhard Lamberty ausgeführt.

Die technische Ausstattung des Kraftwerkes und die Stromleitungen wurden von der »Allgemeinen-Elektricitäts-Gesellschaft« (AEG) aus Berlin hergestellt und installiert. Am 15. Januar 1890 wurde das neuerbaute Kraftwerk mit dem dazugehörigen Leitungsnetz (Dreileiter-Gleichstrom-System) erstmals in Betrieb genommen. Von nun an erhellte elektrisches Licht die Straßen und zahlreiche Wohnungen sowie Weinkellereien. Mehr als 1.100 Glühlampen wurden von dem 110 Volt starken Strom aus vier dampfbetriebenen Dynamomaschinen gespeist.

Traben und Trarbach waren damit Ende des 19. Jahrhunderts neben Bad Reichenhall und einigen Straßenzügen in Berlin die ersten Orte in Deutschland, die statt Gaslampen eine elektrische Straßenbeleuchtung hatten.

 

Belle Époque an der Mosel

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich Traben und Trarbach zu einem Zentrum des Weinhandels. Nach Bordeaux wurde es zur zweitgrößten Wein-Handelsmetropole in Europa. Handelte man erst noch mit den europäischen Nachbarländern wurde nun auch der Weinhandel mit Übersee betrieben. 

Jugendstil-Hotel Bellevue

Durch den Weinexport flossen hohe Beträge in die Kassen und brachten Traben und Trarbach enormen Wohlstand und Reichtum. Es folgte eine rege Bautätigkeit im Großbürgertum. Die Einwohner konnten es sich leisten und zeigten es auch nach außen. Neue und pompöse Häuser wurden gebaut. 

Die bis 1904 eigenständigen Gemeinden Traben und Trarbach sollen aufgrund eines Erlasses zu einer Verwaltungseinheit verbunden werden, was den Bau einer zusammenführenden Brückenverbindung bedingte. Den zum Brückenbau ausgeschriebenen nationalen Architekturwettbewerb gewinnt kein geringerer, als der Berliner Architekt Prof. Bruno Möhring (* 11. Dezember 1863 in Königsberg (Ostpreußen), der damals als freier Architekt für die Gutehoffnungshütte Oberhausen tätig war.

Brückentor, ©Berthold Werner, CC BY-SA 3.0

Das neuspätgotische Brückentor an der Brücke über die Mosel ist das Wahrzeichen der Stadt Traben-Trarbach. Es steht am südlichen Ufer der Moselbrücke zwischen den Ortsteilen Traben und Trarbach. Das Brückentor wurde 1898 nach Plänen des bereits erwähnten Berliner Architekten Bruno Möhring errichtet und im Jahr 1899 seiner Bestimmung übergeben.

Seit seiner Errichtung in den Jahren 1898/99 beherbergt das Brückentor ein Café-Restaurant. Die Brücke über die Mosel war die erste Moselbrücke zwischen Bernkastel und Koblenz. Die nächsten Brücken wurden erst 1924 in Cochem und 1951–1953 in Zell gebaut. Die Brücke von Traben-Trarbach wurde in den letzten Kriegstagen 13. März 1945 gesprengt. 

Im Laufe der Zeit hat der wiederhergestellte historistische Bau des Brückenturms mehrere Umbauten erfahren, zuletzt 1967. Damals wurde sein Mittelbau aufgestockt. Im Zuge des Umbaus kam eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen hinzu.

Alter Bahnhof, © Sir Gawain, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Das Brückenbauprojekt  war Möhrings erster Auftrag in Traben-Trarbach, dem noch weitere Projekte folgen sollten: In Traben-Trarbach entdeckte Möhring seine Liebe zur Mosellandschaft und lernte gleichzeitig die namhaften Weinhändler kennen. Schon bald nach dem Bau der Brücke mit seinem Brückentor folgten für Möhring weitere Aufträge zur Planung einzigartiger Bauwerke.

Viele der Bauten haben die beiden Weltkriege mehr oder weniger gut überstanden, wurden immer wieder restauriert und sind bis heute erhalten. Es gibt heute noch viele interessante Jugendstil-Gebäude in Traben-Trarbach. Stellvertretend seien hier die folgenden Gebäude erwähnt:

  • 1901-03: Hotel Clauss-Feist, An der Mosel 11, mit größtenteils erhaltener von ihm entworfener Inneneinrichtung, heute »Hotel Bellevue«
  • 1904: Villa Huesgen, Am Bahnhof 50
  • 1905: Villa Dr. Gustav Breucker (später Nollen), An der Mosel 7
  • 1906: Erweiterungsbau für das Kur- und Logierhaus Wildstein bei Traben-Trarbach, später genutzt als Erholungsheim der »Mannesmannröhren-Werke AG», heute: »Kurhotel Parkschlösschen Bad Wildstein«, Wildbadstraße 201
  • 1906/07: Großkellerei Julius Kayser & Co.,  Bruno-Möhring-Platz 1 (heute Buddha-Museum) 

Hotel Bellevue

Das »Hotel Bellevue« wurde ursprünglich als Fachwerkhaus gebaut. Im Jahr 1900 zerstörte ein Brand das Fachwerkhaus. Es wurde im Jugendstil wieder aufgebaut. Schnell wurde das Hotel zu den besten Häusern der Region, viele Berühmtheiten logierten hier, so z. B. Heinz Rühmann oder der »Rote Baron«, Manfred Freiherr von Richthofen.

Das Buddha-Museum beherbergte früher die einzige Jugendstil-Weinkellerei Europas.

Die filigrane und an die Natur angelehnte Architektur des Jugendstils in Traben-Trarbach ist einzigartig. Sie ist stark vom Wein beeinflusst. Oft findet man Weinranken, die sich am Eingang um das Portal und um die Fenster schlängeln.

Budda-Museum, Foto: © Heinz Peierl

In Anerkennung seiner Verdienste um Traben-Trarbach wurde Möhring im Oktober 2003 zum Gedenken an den bekannten Berliner Architekten Prof. Bruno ein Gedenkstein am Moselufer Traben aufgestellt.

Eine thematische Führung »Auf den Spuren der Belle Époque« findet in der Saison (Ostern bis Ende Oktober) jeden ersten Sonntag im Monat um 11.00 Uhr statt. Treffpunkt ist an der Tourist-Information Traben-Trarbach. Der Preis beträgt 5,00 € pro Person. Kinder (12 bis 16 Jahre) 2,50 €.

 

Quellen: wikipedia.org, traben-trarbach.de, mosel.de, burgdame.de, volksfreund.de